Das Wort zum Sonntag – 6. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Genau dieselben Menschen, die sich im einen Fall einer Bürgerinitiative anschließen, um vom Gesetzgeber in einer bestimmten Frage ein neues Gesetz zu verlangen, können sich in einem anderen Fall mit der gleichen Entschiedenheit und Leidenschaft dafür einsetzen, dass eine schon seit urdenklichen Zeiten gültige Verordnung – zum Beispiel das Reinheitsgebot bei der Herstellung von Bier – nicht nur nicht abgeschafft, sondern peinlich genau befolgt wird.

Auch Jesus war der Ansicht, dass es nicht vom Alter eines Gesetzes abhängt, ob es gut oder schlecht ist. Darum hat er, der sich so entschieden und so unmissverständlich dafür aussprach, dass ein gottgefälliges Leben nicht in einen Paragraphendschungel ausarten darf, all jenen, die meinten, er werde nun gleich mit den Geboten überhaupt aufräumen – beispielsweise mit einer so lästigen Sache wie der Treue in der Ehe – ebenso entschieden und unmissverständlich klargemacht, dass nicht nur das ehebrecherische Handeln gegen den Geist dieses Gebotes verstößt, sondern dass es genau so schlimm ist, wenn man im Herzen die Ehe bricht.

Jesus nahm es mit der Reinheit des Herzens mindestens ebenso genau wie die Verfechter des Reinheitsgebotes beim Bier. Ob wir in unseren Gerstensaft chemische Zusätze geben, ist freilich unser Bier. Aber wenn unser Handeln nicht mehr dem Reinheitsgebot der Bergpredigt entspricht, dann ist für unsere Moral bald Hopfen und Malz verloren.

Ihr Pfarrer