Das Wort zum Sonntag – 5. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

In diesen Tagen und Wochen ist es wieder so weit. An vielen Orten und auch auf vielen Fernsehsendern gibt es Faschings- oder Karnevalssitzungen und dabei wird viel gelacht. Herzhaftes Lachen ist aber meist in der Kirche nicht so gern gesehen. Die Kirche unterscheidet sehr gerne zwischen „geistiger Wonne“, die darf sein, aber das einfach profane Lachen, das gilt/galt als profan und unangebracht oder mitunter sogar als „teuflisch“. Fakt ist: Zwischen humorvoller Betrachtung und der Verletzung religiöser Gefühle ist der Grat zuweilen schmal. Der Sinn für das Komische trennt in vielen Religionen Liberale von Fundamentalisten. Letztendlich hat Humor auch viel mit Aufklärung zu tun: Humor, Witz und Ironie beginnen im Zeitalter der Aufklärung wichtig zu werden, in dem das Nebeneinander und auch die Kritik der Religionen öffentlich möglich wurden. Man kann sich aggressiv von anderen abgrenzen oder aber versuchen, die Abgrenzung in einem gemeinsamen Lachen aufzufangen.

Humor hilft dem Menschen, zwischen seinen Idealen der schönen und erhabenen Welt und der oft gar nicht so schönen Wirklichkeit zu vermitteln. Der jüdische Philosoph Hermann Cohen erklärt: „Humor kann dazu beitragen, dass man Ideale mit menschlichem Maß zu verwirklichen versucht. So verstanden ist Humor ein Zeichen der Menschlichkeit und der Herzlichkeit.

Und wem das Lachen zu schwer fällt, oder für den Lachen und Kirche ein Widerspruch sind, dem lege ich zumindest die Heiterkeit nahe. Die war in der Kirche schon immer geschätzt. Für die frühen Mönche war die hilaritas - die Heiterkeit und innere Klarheit, die Fröhlichkeit und Helligkeit - ein Zeichen für eine stimmige Spiritualität. Wer seine eigene Wahrheit erkannt hat, wer seine Höhen und Tiefen erlebt hat, und wer sich ganz und gar angenommen fühlt, der strahlt solche Heiterkeit aus. Mit ihr wird man nicht einfach geboren. Sie entsteht durch ein großes Vertrauen, dass alles in Gottes Hand geborgen ist, auch die eigene Schwäche und all die Irrwege des Menschen. Und sie entsteht, wenn man Mut hat, sich wegen seiner Fehler und Schwächen nicht anzuklagen, sondern darüber zu lachen. Sie sind längst in Gottes Barmherzigkeit aufgehoben. Man kann über sich lachen, wenn man sich nicht so wichtig nimmt.

Ich halte das Lachen für die geistige Gesundheit wichtig und es tut der christlichen Gemeinschaft gut. So wünsche ich euch – nicht nur in den letzten Faschingstagen – sondern das ganze Jahr über, vor allem auch für den Umgang miteinander und dem, was so der kirchliche und pfarrliche Alltag so alles mit sich bringt: Humor, Lachen und Heiterkeit!

Pfarrassistent Franz Pamminger